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BEgleiter

Methode

Wholeness Work

Die Wholeness Work ist eine Methode von Connirae Andreas. Sie nimmt eine Gefühlsreaktion nicht als Problem, das man verstehen muss, sondern als Empfindung mit Ort, Größe und Form. Dann sucht sie das Ich, das diese Empfindung wahrnimmt, und lädt beides ein, sich in das Bewusstsein hinein zu öffnen und zu entspannen. Du machst dabei nichts; Du nimmst wahr, was von selbst geschieht.

  • Entwicklung und Bewusstsein

Einstieg

Wo sitzt das eigentlich?

Jemand fällt Dir ins Wort, und schon ist es da: ein Ziehen, eine Enge, ein Druck. Du kennst das Muster, Du weißt vielleicht sogar, woher es kommt. Und trotzdem kommt es wieder.

Die Wholeness Work stellt eine ungewohnte Frage. Nicht: Warum reagiere ich so? Sondern: Wo genau spüre ich das, und wer ist es, der das spürt?

Vertiefung

Was ist Wholeness Work?

Die Wholeness Work wurde von Connirae Andreas entwickelt, die auch die Core Transformation geschaffen hat. Ihr Buch dazu heißt Coming to Wholeness (2018). Bearbeitet wird dabei weniger das Thema selbst als die Art, wie es erlebt wird.

Ausgangspunkt ist eine konkrete Gefühlsreaktion. Statt über sie nachzudenken, erforschst Du sie als Empfindung: Wo im Körper oder um ihn herum ist sie? Wie groß ist sie, welche Form hat sie, wie fühlt sie sich an? Fest, weich, warm, dicht, beweglich?

Der zweite Gedanke ist der eigentliche Kern der Methode: Zu jeder Wahrnehmung gibt es ein Ich, das wahrnimmt. Dieses Ich ist in der Wholeness Work kein Begriff, sondern etwas, das sich finden lässt. Auch es hat einen Ort, eine Größe, eine Form und Eigenschaften.

Die Ich-Kette

Das Ich, das die Gefühlsreaktion wahrnimmt, wird selbst wieder wahrgenommen, von einem weiteren Ich. So entsteht eine Kette, der Du Schritt für Schritt folgst:

  1. Die Gefühlsreaktion Eine Empfindung mit Ort, Größe und Form, die zu Deinem Thema gehört.
  2. Das erste Ich Wo ist das Ich, das das wahrnimmt? In welcher Entfernung, aus welcher Richtung? Auch dieses Ich wird beschrieben.
  3. Das zweite, dritte Ich Wo ist das Ich, das dieses Ich wiederum wahrnimmt? Die Frage wiederholt sich.
  4. Das letzte Ich Die Suche endet, wenn das gefundene Ich keine Substanz mehr hat.

Wichtig ist dabei eine kleine Bewegung, die immer wiederkehrt: hin- und hindurchspüren. Gemeint ist, eine Empfindung von innen zu erkunden, statt sie von außen zu betrachten.

Bewusstsein

Bevor etwas integriert wird, braucht es ein Erleben dessen, worin es sich lösen kann. Die Wholeness Work nennt das Bewusstsein: die mühelose Fähigkeit wahrzunehmen, die im ganzen Körper und überall um ihn herum da ist. Ohne Anstrengung, ohne Grenze, ohne Ende.

Eine kurze Übung führt dorthin, mit Beispielen statt Erklärungen. Du spürst in Deinen Körper hinein und merkst, dass Du ihn durch und durch wahrnehmen kannst. Du hörst ein Geräusch auf der einen Seite und eines auf der anderen. Selbst mit geschlossenen Augen spürst Du den Raum um Dich. Diese Übung gehört in jedes Format der Wholeness Work und lässt sich auch allein nutzen.

Integration: rückwärts und von selbst

Integriert wird in umgekehrter Reihenfolge: zuerst das letzte Ich, dann die Ichs davor, zuletzt die ursprüngliche Gefühlsreaktion. Jede Empfindung wird eingeladen, sich zu öffnen, zu entspannen und zu lösen, in und als Bewusstsein. Du spürst hin und hindurch und lässt zu, dass es auf seine eigene Art geschieht.

Du machst dabei nichts. Du nimmst wahr, wie es von allein passiert.

Wenn sich etwas entspannt, weiter wird oder verschwimmt, bleibst Du bei dieser Erfahrung, bis sich die Veränderung gesetzt hat. Nimmt eine Empfindung die Einladung nicht an, wird das Ich gesucht, das das nicht möchte, und die Arbeit geht mit ihm weiter. Am Ende steht eine einfache Frage: Wie ist es, so zu sein, wie Du jetzt bist?

Ein möglicher Ablauf

Das Thema: Du reagierst gereizt, wenn Dich jemand unterbricht. Die Gereiztheit zeigt sich als Enge in der Brust, etwa faustgroß, hart. Das Ich, das sie wahrnimmt, könnte etwas hinter dem Kopf sitzen, klein und dicht. Das Ich, das dieses wahrnimmt, ist vielleicht weiter oben, größer, kaum noch greifbar, und das nächste hat keine Substanz mehr. Nach der Bewusstseinsübung wird zuerst das letzte Ich eingeladen, sich zu lösen, dann das kleine dichte Ich, zuletzt die Enge in der Brust.

Wenn sich etwas einmischt

Während des Prozesses können Kommentare auftauchen: „Ich will das verstehen.“ „Ich muss das richtig machen.“ „Ich bin verwirrt.“ „Ich will das nicht.“ Sie werden Meta-Reaktionen genannt und sind kein Hindernis, sondern weiteres Material. Jedes „Ich muss …“ führt zur selben Frage: Wo ist das Ich, das das sagt? Es wird gefunden und integriert wie jedes andere.

Die Formate

Aus der Grundform sind mehrere Formate für verschiedene Themen entstanden. Die Bewusstseinsübung gehört in jedes davon.

  • Grundform Für eine Gefühlsreaktion oder ein Verhaltensmuster, das sich wiederholt. Alle anderen Formate bauen darauf auf.
  • Innere Autoritäten Wenn Du Dich getrieben fühlst, genügen musst oder inneren Regeln folgst. Gesucht wird die Instanz, der ein Gefühl gehorchen will, und die nächsthöhere, bis zur letzten.
  • Was fehlt Wenn Du Dich unvollständig fühlst und etwas außen suchst, um Dich ganz zu fühlen: Anerkennung, Liebe, einen Menschen.
  • Anhaften und Ablehnen Wenn Du etwas unbedingt haben musst oder auf keinen Fall willst. Beide Seiten gehören zusammen und werden beide integriert.
  • Die eigene Präsenz Wo stehst Du wirklich? Der Ort, an dem Du präsent bist, wird gefunden und eingeladen, zum Körper zurückzukommen.
  • Das Mich Wenn Du Dich benachteiligt oder getroffen fühlst: „Er verletzt mich.“ Gefunden wird die Stelle, an der Du Dich als Ziel des Handelns anderer erlebst.
  • Das Du „So bin ich nicht.“ Wenn Dich bestimmte Eigenschaften anderer stark reagieren lassen. Es folgt auf das Mich, mit derselben Situation.

Wholeness Work und The Work

Beide Methoden fangen bei einer belastenden Reaktion an, setzen aber an verschiedenen Stellen an:

The Work

Prüft den Gedanken. Ein belastender Satz wird mit Fragen untersucht und umgekehrt.

Wholeness Work

Integriert das Ich, das wahrnimmt. Statt des Inhalts wird die Empfindung erforscht und eingeladen, sich zu lösen.

Häufige Missverständnisse

  • „Ich muss das Gefühl auflösen.“ Gerade nicht. Die Empfindung wird eingeladen, und Du nimmst wahr, was geschieht. Taucht ein „Ich muss“ auf, gehört auch dazu ein Ich, das sich finden lässt.
  • „Ich muss erst verstehen, woher das kommt.“ Die Wholeness Work fragt nicht nach dem Warum. Sie fragt, wo etwas ist und wie es sich anfühlt.
  • „Das Ich ist doch nur ein Gedanke.“ In der Wholeness Work ist es eine Empfindung, die sich finden und beschreiben lässt.
  • „Wenn Zweifel kommen, mache ich es falsch.“ Zweifel und Kommentare gehören dazu. Sie sind weiteres Material.

Die Wholeness Work ist kein Weg, Gefühle loszuwerden, und keine Technik, die ein Ergebnis erzwingt. Bei akuten Krisen oder Erkrankungen gehört die Begleitung in ärztliche oder psychologische Hände.

Kernaussagen

  • Eine Gefühlsreaktion wird nicht analysiert, sondern als Empfindung erforscht: Wo ist sie, wie groß ist sie, welche Form hat sie?
  • Zu jeder Wahrnehmung gibt es ein Ich, das wahrnimmt. Auch dieses Ich lässt sich als Empfindung finden, und hinter ihm oft ein weiteres.
  • Integration heißt: einladen, nicht machen. Die Empfindung darf sich auf ihre Art öffnen und entspannen, und Du nimmst wahr, wie es geschieht.

Weiterführend

Literatur

  • Connirae Andreas: Coming to Wholeness. How to Awaken and Live with Ease, 2018.