Zum Inhalt springen
BEgleiter

Methode

Glaubenssatzarbeit mit The Work

The Work ist eine Methode von Byron Katie, mit der Du belastende Gedanken prüfst, statt sie zu bekämpfen. Ein stressvoller Satz wird mit vier einfachen Fragen untersucht und dann umgekehrt, und zu jeder Umkehrung suchst Du echte Beispiele. Das Ziel ist nicht, einen Gedanken loszuwerden, sondern ihn so klar zu sehen, dass er Dich loslässt.

  • Muster und Überzeugungen

Einstieg

Ein Gedanke, der bleibt

Ein Kollege antwortet nicht auf Deine Nachricht. Das ist eine Tatsache. Doch schon ist ein Gedanke da: „Er ignoriert mich.“ Und gleich danach: „Er sollte sofort antworten.“ Beides fühlt sich an wie Wirklichkeit. Beides ist eine Geschichte über die Wirklichkeit.

The Work lädt Dich ein, solche Geschichten freundlich und gründlich zu prüfen. Nicht, um sie wegzudrücken, sondern um zu sehen, ob sie stimmen.

Vertiefung

Was ist The Work?

The Work wurde von Byron Katie entwickelt und durch das Buch Loving What Is (mit Stephen Mitchell, 2002; deutsch Lieben was ist) bekannt. Die Grundform besteht aus vier Fragen und den Umkehrungen. In deutschen Ausbildungen wurde sie weiterentwickelt und mit Elementen aus dem NLP verbunden, etwa mit inneren Bildern, Wahrnehmungspositionen oder der Zeitlinie.

Die Grundidee: Nicht die Situation selbst macht den größten Stress, sondern das, was wir über sie denken. Im Beispiel von oben lassen sich drei Dinge unterscheiden:

  • Tatsache Der Kollege hat nicht geantwortet.
  • Interpretation „Er ignoriert mich.“
  • Erwartung „Er sollte sofort antworten.“

Dahinter stehen Arbeitsannahmen, keine wissenschaftlichen Gesetze: Je weiter die eigene Vorstellung von dem entfernt ist, was tatsächlich ist, desto mehr Stress entsteht. Ein stressvolles Gefühl erinnert daran, dass es einen Gedanken gibt, den man prüfen kann. Und:

Gedanken loszulassen funktioniert nicht. Wer einen Gedanken hinterfragt und erkennt, dass er nicht wahr ist, wird von ihm losgelassen.

Zwei weitere Annahmen gehören dazu. Gedanken führen zu Gefühlen, Gefühle zu einer Handlung, die Handlung zu einem Resultat. Wer den Gedanken am Anfang dieser Kette prüft, verändert oft auch, was am Ende herauskommt. Und: Es braucht keinen Stress, um zu wissen, was zu tun ist. Klarheit entsteht eher, wenn der Druck nachlässt, als unter ihm.

Wozu es dient

The Work hilft, wenn ein Gedanke immer wiederkehrt und mehr Stress macht als die Situation selbst. Typische Anliegen sind:

  • Urteile und Erwartungen gegenüber anderen: „Sie sollte mir zuhören.“ „Er ist rücksichtslos.“
  • Selbsturteile: „Ich bin nicht gut genug.“ „Mein innerer Kritiker sollte endlich ruhig sein.“
  • Die Vergangenheit: das Gefühl, dass damals etwas anders hätte sein müssen.
  • Verstellen und Anpassen: wenn Du Dich verhältst, wie Du eigentlich nicht willst, weil Du glaubst, nur so Anerkennung, Sicherheit oder Zugehörigkeit zu bekommen.
  • Verhaltensmuster, die sich trotz guter Vorsätze nicht ändern.
  • Schritte in Neues, die durch einen Satz wie „Ich brauche erst X, um Y zu können“ gebremst werden.

Am Ende steht oft mehr Klarheit, mehr Gelassenheit im Umgang mit anderen und ein konkreter nächster Schritt.

Drei Angelegenheiten

Die Grundunterscheidung von The Work:

  • Meine Angelegenheit Was ich denke, fühle und tue. Dazu gehört auch, mir selbst und meinen inneren Anteilen freundlich zu begegnen.
  • Die Angelegenheit anderer Wie ein anderer Mensch ist, denkt und handelt.
  • Die Angelegenheit der Natur Alles, worauf kein Mensch Einfluss hat: Wetter, Alter, Tod.

Viel Stress entsteht, wenn wir gedanklich in einer fremden Angelegenheit leben: wenn wir festlegen, wie ein anderer Mensch sein sollte, oder mit dem hadern, was niemand ändern kann. Eine hilfreiche Frage lautet darum: In wessen Angelegenheit bist Du gerade, wenn Du diesen Gedanken glaubst?

Interpretation oder Erwartung

The Work unterscheidet zwei Arten belastender Sätze:

Interpretation

Wie jemand ist: „Er ist lieblos zu mir.“ Du findest sie mit der Frage: Was genau an der Person stört Dich am meisten?

Erwartung

Wie jemand sein sollte: „Er sollte mich so nehmen, wie ich bin.“ Du findest sie mit der Frage: Wie genau sollte die Person sein, damit Du glücklicher bist?

Die vier Fragen

Für beide Arten von Sätzen gibt es vier Fragen. Bei der Erwartung steht die Realität am Anfang, denn dort wird gewissermaßen eine Parallelwelt geprüft: wie es sein sollte statt wie es ist.

Bei einer Interpretation Bei einer Erwartung
1 Ist das wahr? Wie sieht die Realität aus?
2 Kannst Du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist? Kannst Du mit absoluter Sicherheit wissen, dass es besser wäre, wenn die Person so wäre?
3 Wie reagierst Du, was passiert, wenn Du diesen Gedanken glaubst? Wie reagierst Du, wenn Du diesen Gedanken glaubst und die Person nicht so ist?
4 Wer wärst Du ohne diesen Gedanken? Wer wärst Du ohne diese Erwartung?

Ein Satz begleitet uns durch den Rest dieses Beitrags:

Der Satz

„Er ist lieblos zu mir.“

Die ersten beiden Fragen lockern die Gewissheit. Ist das wahr? Kannst Du es mit absoluter Sicherheit wissen? Die dritte Frage macht sichtbar, was der Gedanke mit Dir macht: welche Gefühle auftauchen, wie Dein Körper sich anfühlt, wohin Dein Verstand reist, wie Du Dich selbst siehst, wie präsent Du bist. Hier kann auch gefragt werden, was es Dir bringt, an dem Gedanken festzuhalten, und was Du befürchtest, wenn Du ihn nicht mehr glaubst. Die vierte Frage öffnet einen Moment ohne den Gedanken: Wie wäre es in Gegenwart dieser Person, wenn Du ihn einfach nicht denken könntest?

Unterfragen

Zur dritten Frage gehört auch das Selbstbild als inneres Bild: Wo um Dich herum erscheint es, wenn Du den Gedanken glaubst? Wie groß ist es, wie hell, wie farbig, wie alt, wohin schaut es? Solche Einzelheiten machen später sichtbar, was sich verändert hat. Eine weitere Blickrichtung ist das Gute an der Lage: Wofür ist es gut, wie es ist? Worin könnte ein Sinn liegen? Was ist das Geschenk für Dich?

Die vierte Frage ist für viele zuerst schwer zu beantworten, weil der Gedanke so selbstverständlich wirkt. Dann helfen kleine Zugänge:

  • Einen Moment fallen lassen Lass den Gedanken nur für einen Augenblick los und beschreibe, was Du erlebst. Oder: Wer warst Du, bevor der Gedanke zum ersten Mal auftauchte?
  • Zwei Punkte spüren Spüre Deine linke Fußsohle, dann die rechte, dann beide zugleich. Wie ist es in Gegenwart der Person, während Du beide Fußsohlen spürst?
  • Leiser und weiter weg Höre den Gedanken nur noch ganz leise und aus großer Entfernung. Wie ist es, wenn Du ihn gar nicht mehr hören kannst?
  • Als ob Bei einer Interpretation: Wie wäre es, wenn Dein Verstand keine Etiketten wie „gut“ oder „schlecht“ mehr vergeben könnte und einfach nur wahrnehmen würde? Bei einer Erwartung: Wie wäre es, wenn Dein Verstand keine Parallelwelt mehr entwerfen würde und nur mit der Wirklichkeit in Kontakt wäre?

Die Umkehrungen

Nach den Fragen wird der Satz umgekehrt. Aus „Er ist lieblos zu mir“ werden drei neue Sätze:

  1. „Er ist liebevoll zu mir.“ Gibt es Situationen, in denen auch das stimmt? Diese Umkehrung holt das Gesamtbild zurück: Die Person wird wieder als Ganze sichtbar.
  2. „Ich bin lieblos zu mir.“ Wo stimmt das? Vielleicht dann, wenn Du stundenlang über seine Lieblosigkeit grübelst. Hier zeigt sich oft die eigentliche Baustelle.
  3. „Ich bin lieblos zu ihm.“ Vielleicht besonders dann, wenn Du denkst, er sei lieblos zu Dir.

Zu jeder Umkehrung suchst Du drei echte Beispiele. Sie ist kein schöner Ersatzsatz, sondern eine Hypothese, die Du an Deiner Erfahrung prüfst.

Bei Erwartungen lautet die Umkehrung: Tu so, als ob Du das selbst tun würdest, und finde Gründe, warum das eine gute Idee wäre. Aus „Er sollte mich so nehmen, wie ich bin“ wird auch „Ich sollte mich so nehmen, wie ich bin“ und „Ich sollte ihn so nehmen, wie er ist“. Du tust es Deinetwegen. Am Ende kann ein Wenn-dann-Plan stehen:

Ein Plan für den Alltag

„Immer wenn er lieblos zu mir ist, werde ich liebevoll mit mir und ihm umgehen.“

Die Schichten eines Glaubenssatzes

Hinter einem belastenden Gedanken liegen oft weitere. Am Beispiel „Peter hat gelogen“ lassen sich fünf Schichten zeigen:

Schicht Frage Satz
Interpretation Was stört Dich? Peter hat gelogen.
Erwartung Wie sollte er sein? Peter sollte nicht lügen.
Bedeutung Was bedeutet das für Dich? Wenn er mich anlügt, denkt er nur an sich.
Ursache und Wirkung Was bewirkt es? Wenn er lügt, schadet er unserer Beziehung.
Begrenzung Was kannst Du nicht? Ich kann ihn nicht darauf ansprechen.

Fragst Du weiter, was passieren würde, wenn Du ihn doch ansprichst, zeigen sich zwei tiefe Sätze:

Eine Befürchtung

„Wenn ich ihn anspreche, verlässt er mich.“

Eine Hoffnung

„Wenn ich schweige, bleibt er bei mir.“

Jede Schicht ist ein eigener Satz, mit dem sich The Work machen lässt. Oft verändert sich am meisten, wenn man an die tieferen Schichten herankommt.

Varianten

Dieselbe Fragelogik lässt sich auf mehr anwenden als auf Urteile über andere. Einige Varianten aus den Weiterentwicklungen:

  • Lieben, was in Dir ist Für Selbsturteile: Der innere Anteil, der das Urteil spricht, wird sichtbar gemacht, und die Erwartung an ihn wird geprüft.
  • Lieben, was war Für die Vergangenheit: Was ich damals gebraucht hätte, kann ich mir heute selbst geben.
  • Werte-Work Für hoffnungslose Werte nach dem Muster „Wenn ich mich so verhalte, bekomme ich das“.
  • Alignment Für hartnäckige Verhaltensmuster: Die Umkehrung wird über alle Logischen Ebenen verankert.
  • Lieben, was kommt Für den Schritt ins Neue, wenn ein Satz wie „Ich brauche erst X, um Y zu können“ bremst.
  • IntegrityWORK Für Situationen, in denen Du gegen Dein eigenes Gefühl für das Richtige handelst.
  • Situationen aufstellen Für Anliegen mit mehreren Beteiligten, mit Bodenankern im Raum.

Zu jeder Variante ein genauerer Blick.

Lieben, was in Dir ist

Bei einem Selbsturteil wie „Ich bin nicht gut genug“ wird nicht das Urteil selbst geprüft. Zuerst wird der innere Anteil gefunden, der es spricht. Du gehst in der Vorstellung in eine Situation, in der das Urteil auftaucht, und achtest darauf, aus welcher Richtung die Stimme kommt und wo im Körper das Gefühl am stärksten ist. Daraus entsteht eine Gestalt: wie weit weg, wie groß, wie alt, wie sie aussieht, welcher Name passt. Wichtig ist die Unterscheidung: Das Gefühl ist nicht der Anteil. Der Anteil ist die Gestalt, die aus dem Gefühl oder aus der Richtung der Stimme entsteht.

Geprüft wird dann eine Erwartung an ihn: „[Name] sollte mir … geben.“ Die vier Fragen folgen der Form für Erwartungen und beginnen mit der inneren Realität. Bei den Umkehrungen gibst Du Dir das Erwartete zuerst selbst, im Bild Deines Selbst vor Dir, aufrecht und auf Augenhöhe. Dann bietest Du es auch dem Anteil an. Schließlich suchst Du Gründe, warum es gut ist, dass der Anteil so ist, wie er ist. Nach jedem Schritt schaust Du, wie er Dir jetzt erscheint: Größe, Position, Blickrichtung, Farbe, Helligkeit, Bewegung. Zum Schluss gehst Du in der Vorstellung eine Woche voraus und prüfst, wie wahr das alte Urteil dann noch klingt.

Lieben, was war

Hier geht es um Urteile über die eigene Geschichte. Die Lebenslinie wird sichtbar gemacht, etwa mit einer Schnur am Boden oder auf einem Flipchart. Die Ist-Zeitlinie zeigt, was tatsächlich geschehen ist: wichtige Stationen, nur Fakten, und Erlebnisse, für die Du heute dankbar bist. Daneben entsteht die Soll-Zeitlinie: wie es hätte sein sollen. Wo Du mit dem, was damals geschah, im Widerstand bist, weicht sie weit von der Ist-Linie ab. Wo Du dankbar bist, liegen beide nah beieinander.

An einer Stelle mit großem Abstand wird das Urteil formuliert, etwa „Ich hätte damals gebraucht, dass er meine Entscheidung gut findet“, und mit den vier Fragen geprüft, mit etwas Abstand wie von außen betrachtet. Die Umkehrungen lassen sich in der Vergangenheit nicht mehr leben. Darum werden sie in die Gegenwart geholt: „Ich brauche heute, dass ich meine Entscheidung gut finde.“ Das jüngere Selbst wird zur Erinnerung daran, wie wichtig es ist, die Umkehrung heute zu leben. Zum Schluss gehst Du auf der Zeitlinie ein Stück in die Zukunft: Wie fühlt es sich an, eine Woche, einen Monat, ein Jahr so gelebt zu haben? Welchen Rat gibst Du von dort Deinem heutigen Selbst?

Werte-Work

Werte-Work setzt bei den hoffnungslosen Werten an, die im Thema Wertearbeit beschrieben sind: Du verhältst Dich auf eine bestimmte Weise, um etwas zu bekommen, dessen Erfüllung bei anderen liegt. Ausgangspunkt ist eine Situation, in der Du Dich verstellst. Was erhoffst Du Dir davon, und was tust Du dafür? Wert und Verhalten kommen auf je eine Karte und werden zu einem Satz verbunden: „Wenn ich [Verhalten], dann [Wert].“

Vor der Prüfung wird Deine Wertehierarchie sichtbar: drei Werte von hoher, mittlerer und geringer Bedeutung, wie sie sich innerlich zeigen und wo um Dich herum sie erscheinen. Dann schaust Du, wo der hoffnungslose Wert und das bisherige Verhalten darin stehen. Die vierte Frage lautet hier: Wer wärst Du, wenn Du dieses Verhalten nie mit diesem Wert verbunden hättest? Dabei werden die beiden Karten tatsächlich voneinander getrennt. Umgekehrt wird auf beiden Seiten des Satzes: beim Wert („… dann bekomme ich es nicht“) und beim Verhalten, für das ein Gegenwort gesucht wird. Zum Schluss schaust Du, wie sich die Ordnung Deiner Werte verändert hat, und prüfst die Veränderung an zwei, drei weiteren Situationen. Manchmal wird dabei ein vergessener Wert wieder wichtig.

Alignment auf den Logischen Ebenen

Derselbe Satztyp lässt sich auch mit den Logischen Ebenen nach Robert Dilts bearbeiten. Ein Satz der Form „Wenn ich [Verhalten], dann [Wert]“ steht oft hinter einem Verhalten, das sich nicht ändern will, etwa „Wenn ich mich zurückhalte, dann bin ich sicher“. Dieser Zusammenhang wird mit den vier Fragen geprüft und umgekehrt. Die Umkehrung wird dann auf den Ebenen von Identität und Zugehörigkeit erlebt, oft als Bild oder Metapher, und von dort Ebene für Ebene zurück bis ins konkrete Verhalten getragen. Wie das genau geht, steht im Thema Logische Ebenen.

Lieben, was kommt

Was wäre für Dich Neuland? Und was hält Dich davon ab? Oft ist es eine Überzeugung aus dem Bisherland, in einer Form wie „Ich brauche X, um Y“, „Ich muss A, um B“ oder „Wenn …, dann …“. Bevor die vier Fragen beginnen, spürst Du beide Teile des Satzes getrennt nach. Bei der dritten Frage schaust Du auch darauf, was mit Deinen Werten, Deinem Selbstbild und Deinem Blick auf Gegenwart und Zukunft geschieht. Die vierte Frage lautet hier: Wer wärst Du, wenn Du A und B nie miteinander verbunden hättest? Nach den Umkehrungen hört sich der Satz, der ins Neuland führt, oft anders an.

Dieser neue Satz wird über drei Haltungen verankert, die „Three Minds“ nach Robert Dilts:

  1. Zentriert Du spürst Deine Körpermitte, der Blick geht leicht nach unten, und Du wiederholst den Satz leise mehrmals, bis er im ganzen Körper ankommt.
  2. Konzentriert Du spürst den Punkt zwischen den Augenbrauen, schließt die Augen und wiederholst den Satz leise, als würdest Du ihn von dort hinaussenden.
  3. Offen Dein Blick geht geradeaus in den Raum, Du machst eine öffnende Handbewegung und sprichst den Satz laut aus.

So kommen Körper, Denken und die Verbindung zur Welt um Dich herum in Einklang.

IntegrityWORK

Integrität heißt hier: so handeln, wie es sich für Dich richtig anfühlt. Zwei Kreisläufe ziehen davon weg:

Vermeiden

Angst treibt, oft als Perfektionismus. Der Satz dahinter hat die Form „Wenn X, dann passiert etwas Schlimmes“.

Erlangen

Falsche Hoffnung oder eine schnelle Belohnung treibt. Der Satz dahinter hat die Form „Wenn X, dann bekomme ich etwas Gutes“.

Ausgangspunkt ist eine konkrete Situation, in der Du Dich nicht stimmig verhältst und Dir „einen Kopf machst“. Du erlebst sie innerlich noch einmal und achtest darauf, wo im Körper sich etwas regt oder aus welcher Richtung eine innere Stimme kommt. Daraus entsteht das Bild eines inneren Anteils, der eine Überzeugung hält, etwa: „Wenn Du nicht aufpasst, ziehen Dich die anderen über den Tisch.“ Diese Überzeugung wird mit den vier Fragen geprüft, auch mit Blick auf Selbstbild, Zeitlinie und die drei Haltungen der Three Minds. Aus der Umkehrung entsteht eine Integritätsmetapher: ein Bild dafür, wie es sich anfühlt, integer zu sein. Mit ihr gehst Du noch einmal in die Situation und schaust, was künftig zu tun ist.

Situationen aufstellen

Sind an einem Anliegen mehrere Menschen beteiligt, werden sie im Raum aufgestellt. Für jede Person und für Dein Selbstbild entsteht eine Namenskarte mit Blickrichtung, die als Bodenanker dient. Aus dem Gefühl zu jeder Person heraus legst Du sie dorthin, wo sie Dir erscheint: Richtung, Entfernung, Blickrichtung, Augenhöhe. Zu jeder Person, oder zu einer ausgewählten, formulierst Du, was Dich stört und wie sie sein sollte. Dann stellst Du Dich auf den Platz eines anderen und nimmst von dort Dein Selbst wahr, während diese Urteile laut werden.

The Work kann hier zwei Wege gehen: Du prüfst aus Deiner eigenen Position Deine Urteile über die anderen, oder Du formulierst aus der Position eines anderen dessen Urteile und Erwartungen und prüfst sie. Nach jeder Runde schaust Du, was sich im Bild verändert hat, auch bei Deinem Selbstbild, und verschiebst die Anker. Ein zweiter Positionswechsel schließt ab: Du siehst mit den Augen des anderen, wie Du Deine Umkehrungen lebst, oder mit Deinen eigenen, wie er sie lebt. Das Schlussbild mit den neuen Positionen nimmst Du so mit, dass Du es jederzeit abrufen kannst.

Welche Variante wofür

Die Varianten lassen sich nach Anliegen ordnen und nach der Logischen Ebene, auf der sie ansetzen. Vereinfacht:

Variante Anliegen Ebene Vorgehen
Lieben, was ist Jemand soll anders sein. Glaubenssätze Gefühl und Belastung erfassen, die Person innerlich vor Augen haben, vier Fragen, Umkehrungen
Lieben, was in Dir ist Selbstkritik, sich selbst nicht annehmen Glaubenssätze Aus dem Gefühl den inneren Anteil finden, die Erwartung an ihn prüfen
Lieben, was war Es hätte früher anders sein sollen. Glaubenssätze Urteil über die Vergangenheit prüfen, Umkehrungen in die Gegenwart holen, Blick in die Zukunft
Werte-Work Verstellen, Verzögern, Taktieren Werte und Glaubenssätze Verhalten und hoffnungslosen Wert finden, in die Wertehierarchie einordnen, den Zusammenhang umkehren
Alignment Ein Verhalten ändert sich nicht. Verhalten und Werte Zusammenhang prüfen, Umkehrung über Identität und Zugehörigkeit bis ins Verhalten tragen
Situationen aufstellen Urteile über Beteiligte Glaubenssätze Beteiligte mit Bodenankern aufstellen, Urteile prüfen, die Sicht der anderen einnehmen, in ihnen das Potenzial sehen
IntegrityWORK Nicht integer handeln – Situation neu erleben, inneren Anteil finden, seine Überzeugung prüfen, Integritätsmetapher
Lieben, was kommt Ein Satz bremst den Schritt ins Neue. – Satz aus dem Bisherland prüfen, neuen Satz mit den Three Minds verankern

Wo in der Spalte „Ebene“ ein Strich steht, nennen die Unterlagen keine Ebene.

Die Haltung dahinter

Mehr als die einzelnen Schritte trägt die Haltung, mit der gefragt wird:

  • Prüfen statt bekämpfen. Kein Gedanke wird verboten oder schöngeredet. Er wird angesehen.
  • Neugier statt Rechthaben. Die Fragen sind echte Fragen; die Antworten kommen von Dir.
  • In der eigenen Angelegenheit bleiben. Der Blick richtet sich darauf, was in Deiner Hand liegt.
  • Freundlichkeit Dir selbst gegenüber. Auch innere Kritiker und alte Urteile werden nicht bekämpft, sondern kennengelernt.
  • Erfahrung vor Theorie. Eine Umkehrung gilt erst, wenn Du eigene Beispiele gefunden hast.
  • Mit allen Sinnen. Körperwahrnehmung, eine Skala der Belastung von 1 bis 10 und innere Bilder gehören dazu: Wo spürst Du den Gedanken? Wo um Dich herum erscheint die Person, wie groß, wie weit weg? So wird Veränderung spürbar, nicht nur gedacht.
  • Potenzial sehen. Ein Leitgedanke mehrerer Varianten: in anderen Menschen wieder mehr zu sehen als das, was Dich stört.

Häufige Missverständnisse

  • „The Work ist positives Denken.“ Umkehrungen werden nicht geglaubt, sondern an echten Beispielen geprüft. Nichts wird schöngeredet.
  • „Dann hat der andere recht, und ich muss alles hinnehmen.“ Es geht nicht um Schuld oder Recht, sondern um Klarheit. Wer klarer sieht, kann oft besser handeln und auch Grenzen setzen.
  • „Ich soll meine Gedanken loslassen.“ Gerade nicht. Gedanken werden geprüft; was sich als nicht wahr erweist, lässt von selbst los.
  • „Die Selbstumkehrung heißt: Ich bin schuld.“ Sie zeigt, wo Du etwas in der Hand hast, nicht, wer schuld ist.
  • „Das ist nur Kopfarbeit.“ Gefühle, Körperwahrnehmung und innere Bilder gehören fest dazu.

The Work ist kein Trick, um Dir schlechte Gefühle auszureden, und keine Aufforderung, Unrecht hinzunehmen. Bei akuten Krisen oder Erkrankungen gehört das Anliegen in ärztliche oder psychologische Hände.

Kernaussagen

  • Nicht die Situation macht den größten Stress, sondern das, was wir über sie denken.
  • Ein Gedanke wird nicht verboten oder schöngeredet, sondern geprüft. Was sich als nicht wahr erweist, lässt von selbst los.
  • Eine Umkehrung ist kein schöner Ersatzsatz, sondern eine Hypothese, die Du an drei echten Beispielen prüfst.

Weiterführend

Literatur

  • Byron Katie mit Stephen Mitchell: Loving What Is. Four Questions That Can Change Your Life, 2002 (deutsch: Lieben was ist).