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Landkarte · Werkzeug

Persönlichkeitsmodelle und Profiling

Persönlichkeitsmodelle beschreiben, worin sich Menschen beständig unterscheiden: wie sie Energie gewinnen, wahrnehmen, entscheiden und mit anderen umgehen. Manche ordnen Menschen in Typen, andere beschreiben Ausprägungen auf mehreren Dimensionen, und sie beruhen auf sehr unterschiedlichen Grundlagen. Ein Profil ist kein Urteil über Dich, sondern ein Anlass, Selbstbild und Fremdbild zu vergleichen und Deine Muster bewusster zu wählen.

  • Muster und Überzeugungen

Einstieg

„So bin ich halt“

Manche Menschen tanken im Gespräch auf, andere in der Stille. Manche wollen erst den Plan, andere lieber die Möglichkeiten offenhalten. Solche Unterschiede führen leicht zu Missverständnissen, solange niemand sie benennt.

Persönlichkeitsmodelle geben ihnen eine Sprache. Sie können Dir helfen, Dich und andere besser zu verstehen. Und sie können zur Schublade werden, wenn aus „Ich habe eine Vorliebe für …“ ein „So bin ich halt“ wird.

Vertiefung

Wozu Persönlichkeitsmodelle taugen

Ein gutes Modell macht sichtbar, was sonst nur als Reibung spürbar ist. Es bietet eine Sprache für Unterschiede, die nicht wertet: Introvertiert ist nicht schlechter als extravertiert, gründlich nicht besser als spontan. Es lädt ein, das eigene Selbstbild mit dem Fremdbild zu vergleichen, also damit, wie andere Dich erleben. Und es ist ein Gesprächsanlass: Über ein Profil lässt sich leichter reden als über „Du bist immer so …“.

Hilfreich ist eine Unterscheidung aus dem Johari-Fenster: das Selbstbild (was ich über mich denke), das Eigenbild (was ich glaube, was andere über mich denken) und das Fremdbild (was andere tatsächlich über mich denken). Wo die drei auseinanderliegen, wird es spannend.

Wo sie kippen

Dieselben Modelle werden schwach, wenn sie anders benutzt werden, als sie gemeint sind: als Identität, als Urteil über einen Menschen, als Maß für Reife oder Können, oder als Ausrede für das eigene Verhalten. Dann wird aus einer Beschreibung eine Rechtfertigung, und aus dem Gespräch ein Etikett.

Ich habe eine Vorliebe für das eine, und ich kann das andere entwickeln.

Typen oder Dimensionen

Grob gibt es zwei Arten, Persönlichkeit zu beschreiben:

Typenmodelle

Sie ordnen Menschen einer von wenigen Gruppen zu, etwa einem von neun Typen im Enneagramm. Das ist anschaulich und leicht zu merken. Wer knapp an einer Grenze liegt, landet aber ganz auf einer Seite, und bei einer Wiederholung kann ein anderer Typ herauskommen.

Eigenschaftsmodelle

Sie beschreiben, wie stark jemand auf mehreren Dimensionen ausgeprägt ist, etwa auf den fünf Faktoren der Big Five. Das ist weniger griffig, bildet aber Abstufungen ab. Die Big Five gelten in der Persönlichkeitsforschung als gut untersucht.

Beide Arten beschreiben, was ein Mensch beständig mitbringt, nicht, wie weit er sich entwickelt hat. Die Integrale Philosophie nennt solche Stile Typen und stellt sie neben die Entwicklungsebenen: wie Wanderer, die ihre Art auf jeden Weg mitnehmen, ganz gleich, wie hoch der Weg führt.

Die Modelle im Überblick

Die letzte Spalte nennt, worauf ein Modell beruht. Sie ist keine Bewertung: Wie hilfreich ein Modell ist, kommt auch darauf an, wofür Du es nutzt.

Modell Was es beschreibt Art Grundlage
Big Five fünf Grundfaktoren mit 30 Facetten Dimensionen Analyse der Alltagssprache, Eigenschaftsforschung
HEXACO die Big Five und dazu Ehrlichkeit und Demut Dimensionen Erweiterung der Big Five
LINC Personality Profiler Big Five, ergänzt um Motive und Kompetenzen Dimensionen Big Five und Motivationspsychologie
CliftonStrengths 34 Talentthemen, Fokus auf die fünf stärksten Stärken Stärkenansatz von Gallup
TCI vier Temperamente und drei Charakterfaktoren Dimensionen biopsychologischer Ansatz
Enneagramm neun Typen mit Entwicklungsrichtungen Typen traditionelle und spirituelle Wurzeln

Drei Modelle näher

  • Big Five Es entstand aus der Analyse der Wörter, mit denen Menschen in ihrer Sprache Persönlichkeit beschreiben, und beschreibt fünf Faktoren: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus. In der Persönlichkeitsforschung gilt es als gut untersucht und dient dort vielfach als Bezugsrahmen. HEXACO erweitert es um einen sechsten Faktor, Ehrlichkeit und Demut.
  • LINC Personality Profiler Ein Online-Fragebogen, der auf den Big Five aufbaut und sie um Motive und Kompetenzen ergänzt. Auf Wunsch lässt sich das eigene Profil mit Einschätzungen anderer vergleichen, also das Selbstbild mit dem Fremdbild.
  • Enneagramm Neun Typen, etwa der Perfektionist oder der Helfer, mit benachbarten „Flügeln“ und Richtungen, in die sich ein Typ unter Druck oder im Wachstum bewegt. Es kommt aus traditionellen und spirituellen Ansätzen, ist wenig standardisiert und wird in der akademischen Psychologie kritisch gesehen. Viele nutzen es aus einem anderen Grund: Es fragt nicht nur, wie Du bist, sondern auch, wohin Du wachsen kannst.

Daneben gibt es Modelle, die Persönlichkeit als Bewegung statt als Zustand fassen. Die vier Energiemuster Driver, Organizer, Collaborator und Visionary (verwandt mit dem FEBI, dem Focus Energy Balance Indicator) beschreiben Energien, die sich in Körper, Denken, Gefühl und Verhalten zeigen. Jedes Muster hat seine Stärke und seine Gefahr, wenn es zu viel oder zu wenig gelebt wird, und niemand ist nur eines davon.

Integral eingeordnet

Aus Sicht der Integralen Philosophie beschreiben Persönlichkeitsmodelle vor allem Typen: beständige Stile, die horizontal neben den Entwicklungsstufen stehen. Ein Typ sagt nichts darüber, wie reif jemand ist. Eine Introvertierte kann auf jeder Stufe introvertiert sein, nur füllt sie das auf jeder Stufe anders.

Die meisten Fragebögen schauen dabei durch ein einziges Fenster: das innere Erleben eines Einzelnen, erfasst über die eigene Auskunft. Was andere wahrnehmen, wie Kultur und Beziehungen prägen und welche Umstände ein Verhalten nahelegen, bleibt außen vor. Wo ein Modell den Vergleich mit Einschätzungen anderer anbietet wie der LINC Personality Profiler, kommt ein zweiter Blick hinzu.

Modell Entwicklung im Blick? Mehr als die eigene Sicht?
Big Five, HEXACO nein nein
LINC Personality Profiler nein teilweise, über Einschätzungen anderer
Enneagramm ja, Richtungen von Wachstum und Druck kaum

Daraus folgt zweierlei. Typen und Stufen nicht verwechseln: Ein Profil ist kein Maß für Reife, und Reife macht aus einem Typ keinen anderen. Und Zustände mitdenken: Unter Druck, müde oder begeistert antwortet man anders. Ein Profil ist eine Momentaufnahme Deiner Selbstbeschreibung, keine Messung Deines Wesens.

Persönlichkeit wird

Persönlichkeitsmodelle zeigen einen Ausschnitt. Wie Persönlichkeit entsteht, beschreibt ein Modell aus der Coaching-Praxis als Kreislauf um eine Frage: Wer bin ich wirklich?

  1. Veranlagung Was Du mitbringst, Deine Konstitution.
  2. Erziehung Wie andere Dich geprägt haben.
  3. Eigener Weg Wie Du Dich selbst prägst.
  4. Erfahrung Es kommt anders, als man denkt.
  5. Entscheidungen Du korrigierst Deinen Kurs, und der Kreislauf beginnt von vorn.

Ein Profil hält am ehesten die ersten Schritte fest. Erfahrung und Entscheidungen verändern, wie Du mit dem lebst, was Du mitbringst. Dazu gehört, dass Entwicklung in Beziehungen entsteht, und das macht sie anstrengend: Andere zeigen Dir, wie Du bist, manchmal deutlicher, als ein Fragebogen es kann. Drei Fragen tragen durch diesen Kreislauf: Wie bin ich? Wie nehme ich mich an? Wie denke ich mich weiter?

Hier liegt auch der Unterschied zu einem Bild wie dem Integramm: Ein Persönlichkeitsprofil beschreibt Deinen Stil, ein Integramm zeigt, wie weit sich verschiedene Fähigkeiten entwickelt haben. Zusammen ergeben sie ein runderes Bild als jedes für sich.

Häufige Missverständnisse

  • „Das Profil sagt mir, wer ich bin.“ Es zeigt, was Du über Dich angibst, in einem bestimmten Moment. Entscheidend ist, was Du im Gespräch darin wiedererkennst und was nicht.
  • „Mein Typ erklärt mein Verhalten.“ Ein Typ beschreibt eine Vorliebe, keine Notwendigkeit. Du kannst auch die andere Seite nutzen und entwickeln.
  • „Manche Typen sind besser als andere.“ Jede Ausprägung hat Stärken und Schattenseiten. Kein Profil sagt etwas über Reife oder Wert eines Menschen.
  • „Weit verbreitet heißt gut untersucht.“ Bekanntheit sagt wenig über den Forschungsstand. Das Enneagramm etwa ist sehr bekannt und wird in der akademischen Psychologie kritisch gesehen. Das macht es nicht nutzlos, aber vorsichtig zu lesen.

Abgrenzung: MBTI und DiSC

Vorsicht

Mit dem MBTI (Myers-Briggs-Typenindikator) und mit DiSC (im deutschsprachigen Raum oft als DISG-Persönlichkeitsprofil angeboten) arbeite ich nicht. Beide sind weit verbreitet, halten in der Persönlichkeitsforschung aber vielem nicht stand:

  • MBTI: Er teilt in Entweder-oder, obwohl die meisten Menschen irgendwo dazwischen liegen. Wer den Fragebogen wiederholt, bekommt häufig einen anderen Typ. Ob es die 16 Typen als klar getrennte Gruppen gibt, ist fraglich, und was der Typ über tatsächliches Verhalten aussagt, gilt als schwach.
  • DiSC: Die Fragen zwingen zur Wahl zwischen Aussagen. So entsteht ein Bild, wie Deine Stile im Verhältnis zueinander stehen, aber kein Vergleich mit anderen. Die Ergebnisse lassen sich gut wiederholen, sagen aber wenig über Dein Verhalten in konkreten Situationen voraus, und vieles davon decken die Big Five schon ab.

Beide beschreiben Vorlieben und Stile, keine Entwicklung. Ist Dir ein solches Profil schon begegnet, kann es ein Anlass zum Gespräch sein. Als Aussage darüber, wer Du bist, trägt es wenig.

Persönlichkeitsmodelle sind Landkarten, keine Urteile. Sie helfen Dir, Dich zu orientieren, und lassen offen, wohin Du gehst.

Kernaussagen

  • Ein Persönlichkeitsprofil beschreibt Vorlieben und Ausprägungen, keine Reife, keine Fähigkeiten und keine feste Identität.
  • Typenmodelle sind anschaulich, Eigenschaftsmodelle bilden Abstufungen ab. Die Big Five gelten in der Persönlichkeitsforschung als gut untersucht.
  • Der Wert eines Profils liegt im Gespräch darüber: Was stimmt, was nicht, und was will ich davon entwickeln?