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Methode

IOSA und Aufstellungsarbeit

Aufstellungsarbeit macht ein Anliegen im Raum sichtbar: Menschen, Gefühle, Ziele oder Entscheidungsmöglichkeiten werden durch Stellvertreter, Symbole oder Bodenanker dargestellt. IOSA, die integral-operationale Strukturaufstellungsarbeit, verbindet klar beschriebene Formate mit integralen Bausteinen wie den vier Quadranten. Gearbeitet wird nicht mit Deutungen, sondern mit Unterschieden: Was verändert sich, wenn sich im Bild etwas verändert?

  • Systeme

Einstieg

Das Anliegen von außen sehen

Manchmal drehst Du Dich im Kreis. Du hast alles durchdacht, mit allen gesprochen, und trotzdem bleibt etwas fest. Worte helfen dann nicht mehr weiter.

In einer Aufstellung stellst Du Dein Anliegen in den Raum. Plötzlich siehst Du es von außen: Ein Ziel steht hinter einem Hindernis. Zwei Menschen stehen nebeneinander und schauen in dieselbe Richtung, sehen sich also nicht. Eine Ressource steht weit weg, im Rücken. Schon dieses Bild klärt oft mehr als viele Worte.

Vertiefung

Was ist IOSA?

IOSA steht für integral-operationale Strukturaufstellungsarbeit. Die meisten Formate stammen aus den Systemischen Strukturaufstellungen von Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer. Sie haben ältere Ordnungen aus der Familienaufstellung aufgegriffen und in eine lösungsorientierte Haltung eingebettet: Es gibt nicht die eine Wahrheit über ein System, sondern Bilder, die neue Möglichkeiten eröffnen.

Integral heißt: IOSA verbindet die Aufstellung mit Landkarten der integralen Theorie. Am deutlichsten wird das in der Quadranten-Aufstellung, in der die vier Perspektiven Ich, Es, Wir und Sie in den Raum kommen. So wird sichtbar, welche Seiten ein Anliegen gerade bestimmen und welche fehlen.

Operational heißt: Die Arbeit folgt beschreibbaren Formen, jede mit klarem Zweck, festen Elementen und einem Bild, an dem sich Veränderung orientieren kann. Die Form wird Dir erklärt, damit nichts „Magisches“ entsteht. Und jeder Schritt wird geprüft: besser, schlechter, gleich?

Ein Bild im Raum

Eine Aufstellung von oben: Jede Figur steht für ein Element des Anliegens. Die gelbe ist der Fokus, er steht für Dich. Abstand und Blickrichtung erzählen, wie die Elemente zueinander stehen.

Du wählst Stellvertreter für die Elemente Deines Anliegens und stellst sie an den Platz, der sich stimmig anfühlt. Dann schaust Du von einem guten Platz aus zu. In einer Gruppe stehen dafür Menschen, allein geht es mit Symbolen oder Bodenankern, auf die Du Dich selbst stellst. Einige Begriffe helfen, die Form zu verstehen:

  • Repräsentant Ein Mensch, der für ein Element steht: eine Person, ein Gefühl, ein Ziel, ein Hindernis, eine Möglichkeit.
  • Fokus Der Repräsentant, der für Dich steht und auf Deine Situation ausgerichtet ist.
  • Repräsentierende Wahrnehmung Auf ihrem Platz nehmen Stellvertreter etwas wahr: Wärme, Kälte, Enge, Kraft, den Wunsch nach Nähe oder Abstand. Das ist das Material der Arbeit.
  • Unterschiedsfokus Nach jeder Veränderung zählt nur eine Frage: besser, schlechter oder gleich?
  • Verdeckte Arbeit Elemente können anonym bleiben, etwa „das Thema“. Du musst nicht alles erzählen.
  • Freie Elemente Sie bewegen sich selbst, etwa „Weisheit“ oder „Freiheit“, und bringen Inspiration ins Bild.
  • Orte Feste Teile des Systems, etwa eine Entscheidungsmöglichkeit oder ein Herkunftsort.
  • Entrollen Am Ende sagen die Stellvertreter ihren eigenen Namen und legen die Rolle ab.

Wie die Wahrnehmung der Stellvertreter zustande kommt, ist wissenschaftlich nicht geklärt, und Du musst Dir dazu keine Theorie zu eigen machen. Für die Arbeit zählen die Unterschiede.

Das Bild lesen

Ein Aufstellungsbild wird gelesen, nicht gedeutet. Wie groß ist der Abstand? Wohin schaut ein Element? Wer sieht wen, vielleicht nur aus dem Augenwinkel? Zwei Elemente zueinander haben typische Bedeutungen:

Nebeneinander

In dieselbe Richtung: Sie sehen sich oft nicht.

Leicht zueinander gedreht

Sie nehmen sich wahr, oft ein gutes Team.

Frontal gegenüber

Konfrontation, oder Verliebtheit.

Hintereinander

Schutz von hinten, oder Blockade von vorn.

Solche Lesarten sind Hypothesen für Umstellungen, keine Urteile über Dich. Passt eine Hypothese nicht, wird sie sofort aufgegeben. Oder, wie es in Patricks Notizen heißt: Wenn ich an einer Hypothese hänge, war es eine These.

Was Systeme als stimmig erleben

Nach Varga von Kibéd und Sparrer erleben Systeme bestimmte Ordnungen als stimmig. Fühlt sich in einem Bild etwas schlechter an, lohnt oft der Blick darauf:

  1. Anerkennung dessen, was ist. Erst was anerkannt ist, kann sich verändern.
  2. Gleichwertige Zugehörigkeit. Jeder, der dazugehört, hat einen Platz. Wer ausgeblendet wird, fehlt im Bild spürbar.
  3. Zeitliche Reihenfolge. Innerhalb eines Systems gilt früher vor später, zwischen Systemen hat das neue Vorrang vor dem alten.
  4. Höherer Einsatz hat Vorrang. Wer mehr Verantwortung trägt, braucht dafür Anerkennung.
  5. Höhere Kompetenz hat Vorrang. Besondere Fähigkeiten verdienen ihren Platz.

Kurz: Zugehörigkeit, Ordnung, Ausgleich. Das sind Arbeitsvereinbarungen der Aufstellungsschulen, keine Naturgesetze.

Kurze Sätze, die etwas bewegen

Neben Umstellungen arbeiten Aufstellungen mit kurzen, positiven Sätzen, die Stellvertreter einander sagen. Ein Satz wirkt, wenn er für beide stimmt. Wo er sich falsch anfühlt, zeigt sich, was noch zu klären ist. Die Sätze folgen einem Bogen:

  1. Kontakt „Ich sehe Dich.“
  2. Würdigung „Du bist wichtig für mich.“
  3. Abgrenzung „Ich bin ich und Du bist Du.“
  4. Ordnung „Du warst vor mir, ich komme nach Dir.“
  5. Ehrung „Ich werde Dich ehren, indem ich meinen eigenen Weg gehe.“

Manchmal zeigt sich dabei eine Verstrickung: Jemand trägt aus unbewusster Liebe ein Gefühl oder Thema einer anderen, meist älteren Person mit. Die Lösung führt über klare Sätze zu einer neuen Form der Verbundenheit: Ich bleibe Dir verbunden, aber ich trage nicht mehr, was Deines ist. Oder es zeigt sich eine Projektion: Im Gegenüber steckt noch eine andere Person, etwa in der Chefin die eigene Mutter.

Formen für verschiedene Anliegen

Für jedes Anliegen gibt es eine passende Form. Einige Beispiele:

  • Blitzlicht Nur zwei Elemente, Du und eine andere Person oder Sache. Ein schneller Einblick in eine Beziehung.
  • Problemaufstellung Fokus, Ziel, Hindernisse, Ressourcen, der verdeckte Gewinn und die Aufgabe danach. Für Blockaden und Ziele.
  • Tetralemma Für Entscheidungen: neben den beiden Möglichkeiten auch „beides“, „keines von beiden“ und eine fünfte Position, die über das Entweder-oder hinausführt.
  • Innere Anteile Kritiker, Antreiber, Beschützer bekommen einen Platz, auch die unbequemen.
  • Quadranten Ich, Es, Wir und Sie im Raum: Welche Perspektive bestimmt Dein Anliegen, welche fehlt?

Auch für Teams und Organisationen gibt es eigene Formate.

Die Haltung dahinter

Der Aufstellungsleiter ist guter Gastgeber und zugleich im Lead: klar, freundlich, mit einem sicheren Rahmen. Er bietet Hypothesen an, keine Wahrheiten, und spricht keine Deutungen aus. Was das Bild für Dich heißt, entscheidest Du. Gesucht wird ein stimmigeres Bild, nicht die Ursache allen Übels. Auch Hindernisse und schwierige Gefühle haben eine Funktion, oft eine schützende. Und wenn es nicht weitergeht, wird das ausgesprochen.

Häufige Missverständnisse

  • „Die Aufstellung zeigt die Wahrheit über meine Familie.“ Sie zeigt ein Bild, das neue Möglichkeiten eröffnet. Die Deutung bleibt bei Dir.
  • „Aufstellung heißt Familienaufstellung.“ Familie ist nur ein Feld. Ebenso geht es um Entscheidungen, Ziele, innere Anteile oder Glaubenssätze.
  • „Ich muss alles erzählen.“ Durch verdeckte Arbeit muss ich den Inhalt nicht kennen.
  • „Man braucht immer eine Gruppe.“ Mit Symbolen und Bodenankern geht es auch allein.
  • „Danach ist alles gelöst.“ Eine Aufstellung ist ein Schritt, oft ein wichtiger. Ihr Ende ist immer ein Anfang.

Aufstellungsarbeit ist kein Hellsehen und keine Methode, um anderen etwas nachzuweisen. Weil Aufstellungen schnell Familien- und schmerzliche Themen berühren, braucht es einen sorgfältigen Rahmen. Akute Krisen oder Erkrankungen gehören in ärztliche oder psychologische Hände.

Kernaussagen

  • Ein Anliegen hat eine Struktur, und diese Struktur lässt sich im Raum abbilden.
  • Gearbeitet wird mit Unterschieden, nicht mit Deutungen: besser, schlechter oder gleich? Was das Bild bedeutet, entscheidest Du.
  • Die Form wird erklärt, damit nichts magisch wirkt. Das Ende einer Aufstellung ist immer ein Anfang.

Weiterführend

Literatur

  • Matthias Varga von Kibéd, Insa Sparrer: Ganz im Gegenteil. Tetralemmaarbeit und andere Grundformen Systemischer Strukturaufstellungen, 2000.
  • Bert Hellinger: Ordnungen der Liebe, 1994 (historischer Hintergrund der Ordnungsprinzipien).